„Egal wie man es macht, man macht es falsch.“ Dilemmageschichten stellen Jugendliche vor kaum lösbare Konflikte. Soll man sich an ein Wort halten, auch wenn das bedeutet, unter Einfluss von Alkohol zu fahren?

Fahren unter Alkohol

Konfliktsituationen belasten und können zu riskantem Verhalten führen. Die Geschichte „Zoff mit der Sippe“ beschreibt eine Dilemmasituation, in der man sich zwischen Handlungsweisen entscheiden muss, die beide mit anerkannten Normen in Konflikt stehen. Der Lehrer kann auch von Schülern eingebrachte Dilemmata im Unterricht behandeln.


Ziele

  • Bei Schülern wird die Fähigkeit gefördert, mit belastenden Situationen konstruktiv umzugehen
  • Sie sollen in Konfliktsituationen sichere Entscheidungen treffen und riskantes (Verkehrs-)Verhalten vermeiden.
  • Ihre Wahrnehmung von Widersprüchen und Diskrepanzen im Denken über Problem- und Konfliktsituationen soll gefördert werden und damit das Auffinden neuer und besserer Lösungen moralischer Probleme.

Methodische Hinweise

Die Diskussion von Dilemmasituationen wurde von dem US-amerikanische Psychologen Lawrence Kohlberg als Ansatz der moralischen Erziehung entwickelt. Dilemmadiskussionen sollen die Entwicklung des moralischen Urteilsvermögens anregen, das eine wesentliche Voraussetzung für moralisches Handeln ist.

Die Diskussion kann folgendermaßen ablaufen:

  • 1. Konfrontation der Schüler mit der Situation (z.B. Vorlesen oder Ausgabe des Textes).
  • 2. Jeder Schüler schreibt in Einzelarbeit auf, für welche Alternative er sich entscheidet und begründet dies. Bekanntgabe der Wahl in der Klasse (z.B. Handaufzeigen). Erste Sammlung von Gründen für die Entscheidung (Tafelanschrieb).
  • 3. Kleingruppenarbeit: Diskussion der Entscheidungen und Begründungen. Folgende Varianten sind möglich:
    • Schüler mit gleicher Ansicht arbeiten zusammen. Ihre Aufgabe ist es, Begründungen für ihre Position zu sammeln, die besten herauszusuchen und sie anschließend in der Klassendiskussion vorzutragen. Dabei sollen sie auch erläutern, warum die eine Begründung geeigneter erscheint als die andere.
    • Schüler mit unterschiedlicher Ansicht arbeiten zusammen. Sie sollen die besten Begründungen für beide Standpunkte finden und dann in der Klasse / dem Kurs vorzutragen. Sie sollen ferner erläutern, warum eine Begründung besser ist als die andere.
    • Vertritt die Klasse einstimmig eine Position, ist folgende Alternative möglich: Bildung mehrerer gleich großer Gruppen. Zwei Gruppen sammeln Argumente für ein bestimmtes Verhalten, die anderen Gruppen stellen Gegenargumente zusammen. Danach werden im Plenum die Argumente an der Tafel gesammelt.
  • 4. Nachdem die Schüler eine Reihe anderer Argumente gehört haben, überdenken oder festigen sie ihre ursprüngliche Position (Was sind die überzeugendsten Argumente der Gegenseite?).

Der Lehrer behält die von ihm favorisierte Handlungsalternative für sich. Seine Aufgabe besteht darin, die Diskussion anzuregen und zu steuern.


Arbeitsblatt

Das Arbeitsblatt „Zoff mit der Sippe“ beschreibt eine typische Dilemmasituation.

Mögliche Fragen zur Geschichte „Zoff mit der Sippe“:

  • 1. Was soll Paul seinem Freund Luca raten?
  • 2. Hat Paul eine Verpflichtung Luca gegenüber?
  • 3. Was ist schlimmer? Die Eltern enttäuschen oder alkoholisiert fahren?
  • 4. Angenommen, die Eltern würden Luca Vorwürfe machen, wenn er den Wagen stehen ließe. Wäre es dann gerechtfertigt, dass er fährt?
  • 5. Angenommen, Paul rät seinem Freund zu fahren. Dieser verursacht einen Unfall, bei dem der Wagen stark beschädigt wird.
    • Könnte er Paul Vorwürfe machen?
    • Müsste Paul sich Vorwürfe machen?
    • Könnten die Eltern Paul berechtigte Vorwürfe machen?
  • 6. Angenommen, Luca fährt und es passiert kein Unfall.
    • Wäre es gerechtfertigt, wenn die Eltern Luca Vorwürfe wegen alkoholisierten Fahrens machen und ihm den Wagen nicht mehr zur Verfügung stellen?
  • 7. Angenommen, Luca fährt nicht.
    • Wäre es richtig, dass seine Eltern ihm Vorwürfe machen und ihm den Wagen nicht mehr zur Verfügung stellen?

Der Lehrer kann die Situation abwandeln, wenn sich Schüler überwiegend einer Position anschließen:

  • Bei zu vielen Stimmen für „Nicht fahren“:
    • Lucas Eltern sind sehr streng. Sie werden ihm die Urlaubsfahrt, die er mit Paul geplant hat, nicht erlauben, wenn der Wagen am nächsten Morgen nicht vor der Tür steht.
  • Bei zu vielen Stimmen für „Fahren“:
    • Luca ist noch ein unsicherer Fahrer. Die Eltern sind sehr streng und der kleinste Kratzer am Wagen hätte für ihn schlimme Folgen. Außerdem gehen Lucas Eltern oft spät zu Bett, so dass sie vermutlich bemerken würden, dass er Alkohol getrunken hat.

Konzept nach: Geiler, Michael: Risiko und Risikoverhalten, in: Jugend & Verkehr. Projekte für die Sekundarstufe II., Hrsg. von der Deutschen Verkehrswacht, Meckenheim 1998, Heft 5, S. 23 und CD-ROM