„Wie sage ich dem Fahrer, dass mir sein Fahrstil nicht gefällt?“ Es ist nicht leicht, Wünsche und Ängste zu äußern. Man möchte nicht als Stimmungskiller dastehen, besonders wenn es um Dinge geht, die anderen wichtig sind. Wie man in solchen Situationen reagieren kann, üben die Schüler in einem Rollenspiel.

Konflikte im Auto lösen

Oft reicht ein Beifahrer, damit der Fahrer vorsichtiger fährt. Besitzt der Fahrer jedoch wenig Einfühlungsvermögen und braucht er sein Auto zur eigenen Profilierung, sieht es anders aus. Der Fahrer sucht den Kick, der Beifahrer oder die Beifahrerin erlebt Angst und Unwohlsein.

Dann braucht es Mut, den Fahrer anzusprechen. Wie den richtigen Ton finden? Das Verhältnis der Fahrzeuginsassen untereinander ist ausschlaggebend. Ist die Beziehung in Ordnung, reicht der Appell: „Fahr bitte langsamer!“ Sind die Beziehungen gestört, gibt es Gruppennormen, die wichtiger sind als Sicherheitserwägungen, oder lässt sich der Fahrer „nicht reinreden“, ist es schwieriger.

Du-Aussagen lassen aus einer Kritik leicht einen Konflikt werden („Du fährst wie eine gesengte Sau!“). Auch Ironie („Du hast deinen Führerschein wohl im Lotto gewonnen?“) kann verletzend wirken und das Gegenteil erreichen. Den meisten Erfolg versprechen „Ich-Aussagen“: „Ich mag nicht, wenn Du so schnell fährst.“ „Ich habe Angst, wenn du so schnell fährst. Bitte fahre etwas langsamer.“

Im Rollenspiel übernehmen die Schüler verschiedene Positionen und versuchen, sie gemäß ihrer Erfahrung auszufüllen. Wichtig ist die genaue Darstellung des Problems bzw. der Situation mit exakten Rollenangaben. Wir empfehlen, die Rollenvorgaben (vgl. Eingangsgeschichte) schriftlich auszuteilen.


Ziele

Die Schülerinnen und Schüler sollen

  • verstehen, dass der Fahrstil nicht immer den Wünschen der Mitfahrer entspricht,
  • lernen, offen zu sein für nichtsprachliche Signale von Furcht oder Unsicherheit,
  • lernen, auf Appelle einzugehen und ihren Fahrstil darauf abzustimmen,
  • erkennen, dass manchmal nur eine offene und direkte Ansprache des Fahrers zum Ziel führt,
  • den Mut entwickeln, ihre Wünsche und Kritik offen auszusprechen,
  • bereit sein, den Fahrer zu bitten, seinen Fahrstil zu ändern,
  • in der Lage sein, geeignete Botschaften zu senden.

Methodische Hinweise

Rollenspiel

Die Vorbereitung zum Rollenspiel fällt kurz aus, um die Entwicklung umfangreicher „theoretischer“ Lösungskonzepte und Spielpläne zu vermeiden. Ebenso wichtig ist es, das Spiel rechtzeitig abzubrechen, damit der zündende Funke für die spätere Auswertung erhalten bleibt. Keinesfalls so lange spielen lassen, bis den Akteuren nichts mehr einfällt. Rollenspiele setzen ein Vertrauensklima in der Gruppe und eine Grundbereitschaft für spielerische Methoden voraus. Dann sind sie effektiv und geraten nicht zur peinlichen Situation.


Arbeitsblatt

Die Schüler bereiten sich durch aufmerksames Lesen der Geschichte „Nimm mal den Fuß vom Gas!“ auf das Rollenspiel vor.


Moderationsfragen für die Abschlussrunde

An Niko:

  • War das Gespräch für Sie realistisch? Hätten Sie als Fahrer ähnlich argumentiert? Würden Sie als Fahrer nach dem Gespräch den Fuß vom Gas nehmen und langsamer fahren?

An Claudia:

  • Haben Sie den Fahrer so angesprochen, wie Sie es in der Arbeitsgruppe verabredet haben? Sind Sie zufrieden mit dem Gespräch? Glauben Sie, dass Sie in der Realität mit einem Fahrer wie Niko Ihr Ziel erreicht hätten?

Fragen an die ganze Klasse:

  • Würden Sie einen Fahrer ähnlich ansprechen? Anders? Wie?
  • Wer hat solche Situationen schon einmal erlebt?
  • Wie reagieren Fahrer auf Wünsche nach langsamerer Fahrweise?
  • Fallen Ihnen solche Gespräche schwer?
  • Wie war der Einfluss von Andrea und Jan?
  • Wie muss eine Botschaft formuliert werden, damit sie ankommt?
  • Was sollte man besser nicht sagen?

(nach: Deutscher Verkehrssicherheitsrat e. V. (DVR): Sicher unterwegs – Unterrichtskonzept für die Sekundarstufe II, CD-ROM, 2004)