Was sind die Hauptunfallursachen radelnder Kinder? Neben einem Verkehrsumfeld, das sich wenig an ihren Bedürfnissen orientiert, sind vor allem eine falsche Straßenbenutzung sowie Fehler beim Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren, Ein- und Anfahren schuld an Unfällen von Heranwachsenden mit dem Fahrrad. In einigen Situationen sind Kinder deutlich gefährdeter als Erwachsene.

Verkehrsumfeld nicht radfahrfreundlich

Das Verkehrsumfeld orientiert sich wenig an den Bedürfnissen von Kindern. Auch in Wohngegenden fließt zunehmend mehr Verkehr. Autofahrer rechnen zu wenig mit Kindern.


Unfallursachen

Die häufigste Unfallursache in der Gruppe der 6- bis 14-Jährigen war 2017 eine falsche Straßenbenutzung (21,4 Prozent), vor allem die Benutzung der falschen Fahrbahnseite. Fast jeder fünfte Unfall ereignete sich beim „Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren, Ein- und Anfahren“ (18,8 Prozent). Hier sind es vor allem Fehler beim Einfahren in den fließenden Verkehr und beim Anfahren vom Fahrbahnrand. 12,4 Prozent der Unfälle sind auf die Missachtung von Vorfahrt oder Vorrang zurückzuführen.

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Quelle: Statistisches Bundesamt 2018

Oft liegt die Unfallhäufigkeit von Kindern unter 15 Jahren deutlich höher als bei Jugendlichen und Erwachsenen, etwa bei Fehlern beim Einfahren in den fließenden Verkehr (mehr als doppelt so häufig) oder beim Abbiegen, Wenden, Ein- und Anfahren (fast doppelt so häufig).


Mehr Unfälle nach der Grundschule

Mit zunehmendem Fahren steigen leider auch die Risiken. Nach der Radfahrausbildung und dem Schulwechsel steigt die Zahl der Unfälle mit dem Rad sprunghaft an. 2017 waren laut Statistischem Bundesamt fast die Hälfte aller im Verkehr verunglückten Kinder zwischen 10 und unter 15 Jahren mit dem Rad unterwegs (48,9 Prozent).

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Nach der Grundschulzeit steigen die Unfälle mit dem Fahrrad. Quelle: Statistisches Bundesamt 2018

Den 2.003 verunglückten 6- bis unter 10-jährigen Radfahrer standen 2017 7.383 Unfallopfern bei den 10- bis 14-Jährigen gegenüber. Die Zahlen erklären sich nur teilweise durch die längeren Strecken. Hauptunfallursache ist das alterstypische Risikoverhalten der jungen Radfahrer. Gerade Jungen fahren leichtsinniger, immer öfter auch ohne Helm.

Die Unfallzahlen bleiben zunächst hoch, erst mit 18 Jahren gehen die Radfahrunfälle wieder zurück. Ab 16, 17 Jahre steigen viele Jugendliche auf motorisierte Fahrzeuge um.


Jungen deutlich gefährdeter als Mädchen

Beim Radfahren sind Jungen deutlich gefährdet als Mädchen – wie fast überall im Verkehr. 2015 waren gut zwei Drittel der Unfallopfer Jungen (67,14 Prozent). Sie fahren öfter und haben leistungsfähigere Räder als Mädchen. Viele Jungen fahren aggressiver und tasten sich nähere an ihre Grenzen heran. Je riskanter man fährt, umso mehr wird man im Freundeskreis bewundert.

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Jungen verunglücken deutlich öfter als Mädchen. Quelle: Statistisches Bundesamt 2018


Wann sind Kinder am meisten gefährdet?

Die meisten Radfahrunfälle von Kindern passieren nachmittags zwischen 15 und 18 Uhr, bei jüngeren Kindern oft in unmittelbarer Nähe zur Elternwohnung. Der Berufsverkehr nimmt zu, während Kinder und Jugendliche mit dem Rad unterwegs sind.

Radfahrunfaelle Nach Uhrzeit 2017

Quelle: Statistisches Bundesamt 2018

Die Jahreszeit spielt bei Unfällen mit dem Rad eine größere Bedeutung als bei Fußgängern. In den kalten und dunklen Wintermonaten wird deutlich weniger Rad gefahren, entsprechend wenige Unfälle geschehen. Besonders gefährlich für Radfahrer sind die Sommermonat.

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Quelle: Statistisches Bundesamt 2018


Die Daten des Statistischen Bundesamtes beruhen auf Polizeiangaben. Unfälle, bei denen die Polizei nicht hinzugezogen wurde, sind nicht aufgenommen. Leichtere Verkehrsunfälle mit geringem Sachschaden oder kleinen Verletzungen sowie Unfälle ohne Beteiligung motorisierter Fahrzeuge werden oft nicht registriert. Die Dunkelziffer steigt, je glimpflicher ein Unfall ausfällt. Über ihr Ausmaß kann man nur Vermutungen anstellen. Fachleute rechnen mit mehr als 50 % bei Bagatellschäden und weiteren 15 % bei schweren Unfällen mit Personenschäden.