Die Lebensgestaltung von Jugendlichen wird stark durch ihre Mobilität geprägt. Sie legen immer weitere Strecken zurück, die Verkehrsmittelwahl wird differenzierter. Ihre altersbedingte Neigung zu Regelverletzungen und riskantem Verhalten zeigt sich auch im Straßenverkehr – vor allem bei Jungen. Zugleich wächst bei Jugendlichen das Interesse an sozialen, ökologischen, ökonomischen und technischen Problemen.

Mehr als nur Verkehrsteilnahme …..

Jugendliche sind dynamischer und aktiver, aber auch optimistischer, unbekümmerter und leichtfertiger. Schnelles Fahren übt eine starke Faszination aus. Schon das Fahrrad gilt vielen als Statussymbol. Es ist mehr als ein Transportmittel, das sie von A nach B bringt. Motorisierte Zweiräder haben für etliche Jugendliche eine Symbolfunktion.

Ihr Verhalten im Verkehr wird nicht nur vom rationalen Transportzweck („Primärmotiv“) bestimmt, sondern auch von „Extramotiven“. Etwa dem Wunsch, „Dampf abzulassen“, gegen Langeweile und innerer Leere anzugehen oder der Suche nach Spaß, Freiheit und Unabhängigkeit. Mobilität dient der Selbstdarstellung, dem Buhlen um Anerkennung und Macht.

Selbstüberschätzung, Abenteuerlust und hohe Risikobereitschaft sind häufiger Ursache für unfallträchtiges Verhalten als Wissensmangel. Viele Jugendliche bezeichnen sich als „schnell, aber vorsichtig“, nennen ihren Fahrstil „riskant, aber sicher“. Einwände werden trotzig vom Tisch gefegt: „Ich muss nicht mit Helm fahren! Mir passiert nichts!“, „Ich kann die Kurve noch schneller nehmen!“.

Umfragen bestätigen dies. Die Schüler kennen sich bestens aus, wissen, wie sie sich zu verhalten haben, orientieren sich aber – trotz eigener, teils leidvoller Erfahrung – nicht an dem, was sie wissen. Schutzkleidung beim Skateboarden gilt als uncool, allen Verletzungen zum Trotz. Fahrradhelme sind für für viele Jugendliche „Kinderkram“.


Gender: Jungen deutlich gefährdeter

Jungen sind generell unfallgefährdeter, im Verkehr und anderswo. Bei ihnen überlagern jugendspezifische Verhaltensweisen schnell das Wissen um Gefahren. Sie suchen Abenteuer und Risiken, um ihre Grenzen zu testen, das Machbare auszuloten und ihren Freunden zu imponieren. Experimente mit Alkohol und Drogen gehören bei einigen ebenso dazu wie Mutproben.

Radfahren Sekundarstufe Gender Mobilität Verkehrserziehung Risiko Straßenverkehr

Jungen verhalten sich risikoreicher und sind gefährdeter als Mädchen.

Erhebungen zum Radfahren zeigen, dass Jungen öfter, schneller und riskanter fahren als Mädchen. Sie machen Kunststücke, üben passgenaues Zielbremsen nahe am Mann, legen sich tief in Kurven und fahren gerne freihändig. Zudem lässt sich auf dem Fahrrad Frust bewältigen.

Bei aller alterstypischen Neigung zu Regelverstößen und riskantem Verhalten sind die Jugendlichen keine homogene Gruppe. Erhöht unfallgefährdet sind vor allem Jungen, die mehr emotional als rational handeln und ein (zu?) großes subjektives Sicherheitsgefühl besitzen. Hyperaktive und extrovertierte Kinder neigen zu riskanterem Verhalten als ruhige.

Auch Jugendliche mit geringem Selbstwertgefühl nutzen den Straßenverkehr zur Kompensation von Unsicherheit und Frust. Auf dem Mountainbike und dem frisierten Mofa ist es leicht, ein Held zu sein.