Keine Gruppe ist im Straßenverkehr so gefährdet wie die „Jungen Fahrer“: Junge Erwachsene sind einem doppelt so hohen Unfallrisiko ausgesetzt, verletzt oder getötet zu werden, wie der Bevölkerungsdurchschnitt. Ganz besonders gefährdet sind junge Männer. Ein Überblick.

18- bis 24-Jährige im Straßenverkehr – Die sieben risikoreichsten Jahre

62.966 Männer und Frauen zwischen 18 und 24 Jahren kamen 2017 in Deutschlands im Verkehr zu Schaden, 394 davon tödlich. 16,1 Prozent aller Verletzten und 12,4 Prozent aller Getöteten im Straßenverkehr gehörten nach Angaben des Statistischen Bundesamtes zur Gruppe der 18- bis 24-Jährigen, obwohl nur jeder 13. der Gesamtbevölkerung (7,7 Prozent) dazu zählte. In die Statistik fließen nur die Unfälle ein, bei denen die Polizei hinzugezogen wurde.

Mit Eintritt der Motorisierung steigt die Zahl der Verunglückten sprunghaft an: Erst mit 16, wenn Jugendliche erstmals motorisiert am Verkehrsgeschehen teilnehmen, dann mit 18, wenn sie allein mit dem Pkw unterwegs sind. Ab Anfang 20 sinkt die Unfallhäufigkeit langsam wieder.

Statistik Junge Fahrer 18 24 Verunglueckte Strassenverkehr Nach Alter 2017 Deutschland Sekundarstufe Ii Verkehrsunfaelle

Quelle: Statistisches Bundesamt, 2018

Noch dramatischer steigt die Zahl der im Straßenverkehr tödlich Verunglückten.

Statistik Junge Fahrer 18 24 Getoetete Strassenverkehr Nach Alter 2017 Deutschland Sekundarstufe Ii Verkehrsunfaelle

Quelle: Statistisches Bundesamt, 2018

Auf 100.000 Einwohnen verunglückten in der Gesamtbevölkerung 477 Verkehrsteilnehmer. In der Gruppe der 18- bis 24-Jährigen waren es 995, mehr als doppelt so viele. Je 1 Mio. Einwohner wurden 62 junge Erwachsene im Straßenverkehr getötet; bei der Gesamtbevölkerung kamen 39 Getötete auf 1 Mio. Einwohner.


Langfristige Entwicklung

Langfristig gehen auch bei jungen Menschen die Unfallzahlen kontinuierlich zurück, wie ein Blick auf die Statistik zeigt. 1991 waren es sogar 134.764 verunglückte junge Erwachsene.

Statistik Junge Fahrer 18 24 Verunglueckte Strassenverkehr 2001 2017 Deutschland Sekundarstufe Ii Verkehrsunfaelle

Quelle: Statistisches Bundesamt, 2018

2017 kam 394 junge Menschen im Straßenverkehr ums Leben, 2001 waren es noch viermal so viele, 1.606. Im Jahre 1991 gab es in dieser Altersgruppe es sogar 2.749 Verkehrstote.

Statistik Junge Fahrer 18 24 Getoetete Strassenverkehr 2001 2017 Deutschland Sekundarstufe Ii Verkehrsunfaelle

Quelle: Statistisches Bundesamt, 2018


Unfallgeschehen im Wochen- und Tagesverlauf

Mit Abstand die meisten getöteten jungen Fahrer wurden auch 2017 am Wochenende gezählt: Samstags (18,73 Prozent) und sonntags (19,9 Prozent) wurden deutlich mehr junge Leute tödlich verletzt wie am Dienstag oder Donnerstag (jeweils 10,97 Prozent) bzw. Mittwoch (11,22 Prozent) oder Montag (14,8 Prozent).

Statistik Junge Fahrer 18 24 Getoetete Strassenverkehr Nach Wochentagen 2017 Deutschland Sekundarstufe Ii Verkehrsunfaelle

Quelle: Statistisches Bundesamt, 2018

Die tageszeitliche Verteilung der getöteten 18- bis 24-Jährigen zeigt einen deutlichen Zusammenhang mit ihrem Freizeitverhalten. In den Abend- und Nachtstunden sind junge Erwachsene überproportional betroffen. In der Zeit zwischen 19 Uhr abends und 5 Uhr morgens verunglückten 26,3 Prozent der 18- bis 24-Jährigen, aber nur 14,4 Prozent der übrigen Altersgruppen. Noch dramatischer ist der Unterschied bei den Getöteten: Zwischen 19 Uhr abends und 5 Uhr morgens starben 2017 39,8 Prozent der 394 getöteten jungen Erwachsenen, während der entsprechende Anteil der übrigen Altersgruppen nur 21,7 Prozent betrug.


Diskounfälle

Kombiniert man Wochentage und Tagesstunden, zeigen sich zeitliche Konzentrationen. Jeder sechste im Jahr 2017 bei Verkehrsunfällen getötete 18- bis 24-Jährige kam in den späten Abend- und Nachtstunden des Wochenendes ums Leben! Diese Unfälle, die sich freitags und samstags von 22 bis 24 Uhr sowie samstags und sonntags zwischen 0 und 7 Uhr ereignen, sind unter dem Namen Diskounfälle zu trauriger Bekanntheit gelangt. Bei den anderen Altersgruppen verunglückten in diesen 18 Stunden nur 6 Prozent der im Verkehr ums Leben gekommenen tödlich.


Art der Verkehrsbeteiligung

Bei fast 70 Prozent aller Verkehrsunfälle waren junge Erwachsene als Fahrer oder Mitfahrer mit dem Pkw unterwegs, 12,71 Prozent verunfallten mit dem Fahrrad. 7,49 Prozent kamen auf dem Roller, Moped oder Motorrad zu Schaden.

Statistik Junge Fahrer 18 24 Verunglueckte Strassenverkehr Nach Art Verkehrsteilnahme 2017 Deutschland Sekundarstufe Ii Verkehrsunfaelle

Quelle: Statistisches Bundesamt, 2018

Bei den tödlichen Unfällen ergibt sich ein anderes Bild: Extrem betroffen sind hier motorisierte Zweiradfahrer. Fast jeder vierte Verkehrstote war 2017 auf dem Roller, Moped oder Motorrad unterwegs. 62,72 Prozent der Getöteten saßen als Fahrer oder Beifahrer in einem Pkw.

Statistik Junge Fahrer 18 24 Getoetete Strassenverkehr Nach Art Verkehrsteilnahme 2017 Deutschland Sekundarstufe Ii Verkehrsunfaelle

Quelle: Statistisches Bundesamt, 2018


Gender – Junge Männer gefährdeter als junge Frauen

Junge Männer verunglücken häufiger als junge Frauen. Von den in 2017 Verunglückten waren 34.043 männlich und 28.922 weiblich. Das macht bei den Männern einen Anteil von gut 54 Prozent.

Statistik Junge Fahrer 18 24 Verunglueckte Strassenverkehr Nach Geschlecht 2017 Deutschland Sekundarstufe Ii Verkehrsunfaelle

Quelle: Statistisches Bundesamt, 2018

Deutlicher wird ihr Anteil, betrachtet man die schweren Verkehrsunfälle mit Getöteten. Gut drei Viertel der im Straßenverkehr getöteten jungen Erwachsenen bis 24 Jahren waren männlich! Nur ein knappes Viertel weiblich. Bei den Pkw-Verkehrstoten in diesem Alter ein ähnliches Bild: Fast drei Viertel waren Männer, nur gut ein Viertel Frauen.

Statistik Junge Fahrer 18 24 Getoetete Strassenverkehr Nach Geschlecht 2017 Deutschland Sekundarstufe Ii Verkehrsunfaelle

Quelle: Statistisches Bundesamt, 2018


Beteiligte und Hauptverursacher

Junge Fahrer sind nicht nur überproportional in Unfälle verwickelt, sie verursachen sie auch überproportional. Fast ein Fünftel (19,3 Prozent) aller Pkw-Unfälle mit Personenschaden wurde von 18- bis 24-Jährigen verursacht. Überdurchschnittlich häufig trugen sie die Hauptschuld: 65,3 Prozent der unfallbeteiligten jungen Pkw-Fahrer wurden 2017 von der Polizei als Hauptverursacher eines Unfalls mit Personenschaden eingestuft. Besonders die 18- bis 20-jährigen Fahranfänger fielen auf; 70,3 Prozent der unfallbeteiligten Fahrer dieser Gruppe waren auch Hauptverursacher des Unfalls (Anfängerrisiko). Von den 21- bis 24-Jährigen trugen 61,1 Prozent die Hauptschuld am Zustandekommen des Unfalls.

Auch hier spielt das Geschlecht eine Rolle: 67,8 Prozent der männlichen, aber „nur“ 61,9 Prozent der weiblichen 18- bis 24-jährigen Unfallbeteiligten galten als Hauptverursacher eines Unfalls.

Das Geschlecht hat auch Auswirkungen auf die Schwere der Unfälle: Die von jungen Fahrerinnen verursachten Unfälle waren meist weniger folgenschwer. Je 1.000 Unfälle mit Personenschaden, bei denen eine junge Frau Hauptverursacherin war, verunglückten 1.452 Personen, davon wurden 5 Personen getötet und 188 schwerverletzt. Bei den von jungen Männern verursachten Unfällen verunglückten je 1.000 Unfälle mit Personenschaden 1.467 Personen, davon wurden 11 Personen getötet und 224 schwerverletzt.


Unfalltyp

Jeder vierte von einem jungen Pkw-Fahrer verursachte Unfall mit Personenschaden war ein „Fahrunfall“ (10.158; 26,5 Prozent). Das sind Unfälle, bei denen der Fahrer ohne Fremdeinfluss die Kontrolle über sein Fahrzeug verliert. Sie sind meist besonders schwer. So starben 172 der Getöteten bei von jungen Pkw-Fahrern verursachten Unfällen bei einem Unfall dieses Typs (51 Prozent).

Fast jeder dritte Unfall mit Personenschaden war ein „Unfall im Längsverkehr“ (11.591; 30,2 Prozent). Das sind Unfälle, die durch Konflikte zwischen Verkehrsteilnehmern ausgelöst werden, die sich in gleicher oder entgegengesetzter Richtung bewegen. Dabei kamen 27,3 Prozent der Unfalltoten ums Leben.


Unfallursachen

„Nicht angepasste Geschwindigkeit“ ist bei jungen Fahrern mit Abstand die häufigste Unfallursache. Nach Polizeiangaben fuhr fast jeder fünfte unfallbeteiligte Pkw-Fahrer dieser Altersgruppe zu schnell (17 Prozent). „Abstandfehler“ (14,6 Prozent) sind die zweithäufigste Unfallursache, gefolgt von „Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren, Ein- und Anfahren“ (10,5 Prozent) und „Vorfahrt-/Vorrangfehler“ (10 Prozent). Weitere Unfallursachen waren „Falsche Straßenbenutzung” (3,3 Prozent), „Einfluss von Alkohol” (2,7 Prozent) sowie „Fehler beim Überholen” (2,2 Prozent).

Statistik Junge Fahrer 18 24 Unfallursachen Strassenverkehr Pkw Fahrer Prozent 2017 Deutschland Sekundarstufe Ii Verkehrsunfaelle

Quelle: Statistisches Bundesamt, 2018

Bei den tödlich Verunglückten ergibt sich eine andere Gewichtung: Hier fallen drei Unfallursachen überproportional auf. Fast ein Drittel der 18- bis 24-jährigen Pkw-Fahrer verlor aufgrund „nicht angepasster Geschwindigkeit“ sein Leben (32,3 Prozent). Auf Platz zwei rangierte „falsche Straßenbenutzung“ (14,7 Prozent), gefolgt von „Alkoholeinfluss“ (6,2, Prozent).

Statistik Junge Fahrer 18 24 Unfallursachen Getoetete Strassenverkehr Pkw Fahrer Alle Getoetete 2017 Deutschland Sekundarstufe Ii Verkehrsunfaelle

Quelle: Statistisches Bundesamt, 2018

„Nicht angepasste Geschwindigkeit“ ist bei beiden Geschlechtern Fehlverhalten Nummer 1. 22,5 Prozent der männlichen Pkw-Fahrer und 19,8 Prozent der Fahrerinnen fuhren zu schnell. Die Werte lagen früher weiter auseinander.


Alter und Leistung der Pkw

Einfluss auf die Unfallgefährdung junger Fahrer haben auch die Fahrzeuge, mit denen sie unterwegs sind. Sie sind im Durchschnitt älter, teils technisch schlechter ausgestattet und unsicherer als die Fahrzeuge anderer Altersgruppen.

Geschlechtsspezifische Unterschiede gibt es auch bei den Fahrzeugen. Die Autos, in denen Frauen verunglückten, waren im Durchschnitt weniger leistungsstark als die der jungen Männer.

Alle Angaben nach Statistisches Bundesamt: „Verkehrsunfälle. Unfälle von 18- bis 24-Jährigen im Straßenverkehr, 2018“.