Ob Frauen besser Auto fahren, wissen wir nicht. Sie sind aber sicherer unterwegs und verursachen deutlich weniger Verkehrsunfälle als ihre männlichen Altersgenossen. Eine Unterrichtsanregung zu geschlechtsspezifischem Verhalten im Straßenverkehr.

Geschlechtsspezifisches Verhalten im Straßenverkehr

Die Frage, ob Männer oder Frauen besser Auto fahren, erhitzt die Gemüter. Die Unfallstatistik gibt darüber nur begrenzt Auskunft. Sie sagt nur, dass Frauen seltener an Unfällen beteiligt sind als Männer. Ebenso unbestritten ist, dass sie weniger Unfälle verursachen. Auch bei Aggressionsursachen (Geschwindigkeit, Überholen) und bei Alkoholunfällen schneiden Frauen besser ab. Das gilt auch für junge Fahrerinnen. Die Diskrepanz zwischen jungen Fahrern und Fahrerinnen ist besonders deutlich. „Typische“ Unfälle von Frauen sind Vorfahrtverletzungen und Unfälle beim Abbiegen und Wenden.

Offen bleibt die Frage nach den Ursachen. Geschlechtsspezifische Verhaltensweisen bzw. gesellschaftliche Erwartungen spielen sicher eine Rolle. Der „Draufgänger“ am Steuer und die vorsichtige, teilweise auch ängstliche Fahrerin sind nicht nur Klischees.

Ob Frauen besser fahren, erfordert zunächst eine Festlegung von Kriterien. Je nach Standpunkt kann es um Fahrzeugbeherrschung, um Zentimeter genaues Einparken, um Gefahrenbewusstsein oder um soziale Fähigkeiten gehen.

Unterschiedlich ist auch die Selbsteinschätzung der Geschlechter. Bei einer repräsentativen Befragung der TH Dresden nannten junge Fahrerinnen bei der Bewertung von Situationen das „Ein- und Ausparken“ als ihr größtes Problem bzw. ihre größte Schwäche. Junge Männer sahen dagegen „das Einhalten der Geschwindigkeitsbegrenzungen“ als größtes Problem.

Apropos Draufgänger: Während Carl Benz, der Erbauer des ersten funktionstüchtigen Automobils, noch zögerte, seine Konstruktion der Öffentlichkeit vorzustellen, ergriff seine Frau Berta 1888 beherzt die Initiative und startete ohne Wissen ihres Mannes die erste „Automobil-Fernfahrt“ von Mannheim nach Pforzheim.


Ziel

Ziel der Unterrichtseinheit ist es, geschlechtsspezifische Verhaltensweisen im Straßenverkehr zu untersuchen und dem Zusammenhang zwischen Verhalten und Unfallrisiko nachzugehen.

Die Schülerrinnen und Schüler

  • setzen sich mit Fakten und Vorurteilen geschlechtsspezifischen Verhaltens im Straßenverkehr auseinander,
  • erkennen, dass ihr Verhalten im Verkehr auch geschlechtsspezifische Aspekte beinhaltet,
  • prüfen, inwieweit diese Verhaltensweisen mit einem erhöhten Unfallrisiko einhergehen,
  • lernen, sich gegen von außen an sie herangetragene Rollenerwartungen zu wehren, wenn sie mit einem erhöhten Risiko verbunden sind.

Methodische Hinweise

Aquarium

Die Klasse / der Kurs wird in fünf Arbeitsgruppen aufgeteilt, die sich arbeitsgleich mit einem Thema beschäftigen. Nach der Arbeitsgruppenphase (ca. 20 Minuten) setzen sich die fünf Sprecher der Arbeitsgruppen in einen Stuhlkreis. Die Lehrkraft moderiert das Gespräch, ohne zu bewerten und zu kommentieren. Die Sprecher geben die Standpunkte und Ergebnisse ihrer Arbeitsgruppen wieder. Die restlichen Mitglieder der Gruppen sitzen im Kreis um die Diskutierenden herum (Aquarium) und hören zu. Sie kommentieren und bewerten erst in einer abschließenden Diskussion das “Aquarium-Gespräch”.

Das Gespräch im Innenkreis sollte eher knapp bemessen sein (ca. 15 bis 20 Minuten). Die kleine Gruppe versucht – stellvertretend für die Klasse – ein Thema zu erörtern, Ergebnisse auszutauschen und eine Entscheidung zu treffen. (Eine Variante des Aquariums ist, wenn die Lehrkraft lediglich die erste Minute moderiert, das heißt das Thema nochmals umreißt und die Aufgaben definiert, und sich anschließend aus dem inneren Stuhlkreis zurückzieht).


Arbeitsblatt

Als Einstieg eignet sich die Geschichte „Frauen machen Fehler – Männer auch!“, die entweder vom Lehrer vorgelesen wird oder als Arbeitsblatt von den Schülern gelesen wird.

Fragestellung

„Fahren Frauen besser?


Mögliche Argumente in der Diskussion

Pro

  • Männer fahren häufig zu schnell.
  • Männer suchen sich PS-starke Fahrzeuge aus und wollen sie auch ausfahren.
  • Männer wollen häufig mit ihrem Fahrstil angeben oder sich beweisen.
  • Männer wollen besser sein als andere und betrachten andere als Rivalen.
  • Männer sind vernarrt in Autos und verwechseln die Straße mit einer Rennstrecke.
  • Männer trauen sich zu viel zu und überschätzen sich leicht.
  • Männer fahren häufiger unter Alkoholeinfluss.
  • Frauen fahren vorsichtiger und überlegter.
  • Frauen lassen eher mal anderen die Vorfahrt.
  • Frauen achten bei ihren Fahrzeugen eher auf Sicherheit als auf PS.
  • Frauen haben es nicht nötig, sich vor anderen zu beweisen.

Contra

  • Männer wissen mehr über Fahrphysik und Technik.
  • Männer interessieren sich mehr für Autos und wissen deshalb mehr übers Autofahren.
  • Männer kennen die technische Ausstattung ihres Autos besser und können sie deshalb nutzen.
  • Männer konzentrieren sich voll aufs Fahren und sind mehr bei der Sache.
  • Männer haben oft größere Fahrerfahrung als Frauen.
  • Männer merken eher, wenn mit der Technik des Fahrzeugs etwas nicht stimmt.
  • Frauen sind zu ängstlich, um souverän Auto fahren zu können.
  • Frauen haben eine Abneigung gegen Technik und denken sich nicht so in das Fahrzeug hinein.
  • Frauen haben ein schlechteres räumliches Vorstellungsvermögen.
  • Frauen lassen sich beim Fahren leichter ablenken.

Moderationsfragen für die Abschlussrunde

  • Welche „typisch männlichen“ und „typisch weiblichen“ Eigenschaften in Bezug auf das Autofahren wurden genannt?
  • Wie kommt es zu diesen Verhaltensweisen?
  • Welche Rolle spielt die Umwelt (Clique, Freunde, Familien usw.)?
  • Kommt es gelegentlich zu Situationen, in denen man sich nicht wohl fühlt in seiner (Geschlechter-) Rolle? Was kann man tun, um sich gegen die Erwartungen der anderen zu wehren?

(leicht überarbeitet nach: Deutscher Verkehrssicherheitsrat e.V. (DVR): Sicher unterwegs – Unterrichtskonzept für die Sekundarstufe II, CD-ROM, 2004)